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Judith Schmidt (hier mit ihrem Partner Gregor) ist selbst überrascht von dem Zuspruch, der ihrem etwas anderen Freizeitangebot zuteil wird.
Judith Schmidt (hier mit ihrem Partner Gregor) ist selbst überrascht von dem Zuspruch, der ihrem etwas anderen Freizeitangebot zuteil wird.

Grenz Echo vom 26.8.2009

der Link zum org. Interview

 

Judith Schmidt aus Grüfflingen bietet Naturwanderungen mit Eseln, Ziegen

und Hund an

 

»Esel sind sehr intelligent

und neugierig«

 

 

Von Gerd Hennen

Grüfflingen

 

Es ist schon ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, wenn sich Judith Schmidt mit ihrem Partner Gregor von ihrem kleinen Hof in Grüfflingen aufmacht, um gemeinsam mit ihren Eseln, Ziegen und Hunden die idyllische Naturlandschaft der nahen Hardt zu erkunden.

Seit 2001 bietet das tierliebende Paar nun schon geführte Wanderungen durch den Naturpark Hohes-Venn-Eifel an und konnte in dieser Zeit bereits so manchen Skeptiker von der Klugheit und von der Treue des oft verschmähten »Grautieres« überzeugen. Das GE unterhielt sich mit Judith Schmidt.

 

Seit wann sind Tiere Ihre Passion?

Judith Schmidt: Seit elf Jahren haben wir den jetzigen Bestand und seit acht Jahren leben wir in Grüfflingen auf einem alten Bauernhof. Die Wanderungen mit unseren Tieren haben wir von Beginn an privat gemacht. Uns und vor allem unseren Tieren macht diese Art der Bewegung inmitten der intakten Natur Spaß.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, die Wanderungen auch für Außenstehende anzubieten?

Judith Schmidt: Zunächst sind wir mit unseren Freunden, Bekannten und Verwandten auf Wanderschaft gegangen. Hier wurde uns zum ersten Mal deutlich, dass viele Menschen den Kontakt mit Tieren in der Natur suchen, so dass wir diese Art von Wanderungen einer breiteren Öffentlichkeit anboten. Und plötzlich wurden die Mitwanderer immer »fremder«. 2008 war dann ein Jahr des wirtschaftlichen Reinschnupperns, bevor ich dann offiziell in diesem Jahr als Selbständige diese Dienstleistung anbiete.

 

Wer ist denn Ihr Zielpublikum?

Das ist schwierig einzugrenzen. Vornehmlich handelt es sich bei unseren Kunden um Familien, Pärchen und Erwachsene, die gerne mit Tieren spazieren gehen und dadurch ihre vom Alltag oftmals gestresste und genervte Seele baumeln lassen können. Es geht hier weniger um das Kilometerpensum, sondern vielmehr um das aktive Erleben der Natur in der Natur mit der Natur.

 

Wie nehmen die Kunden denn Ihr Angebot an?

Judith Schmidt: Sehr gut. Ich bin überwältigt, so dass wir bis Ende Oktober bereits alle Wochenenden ausgebucht sind. Die Leute kommen aus Luxemburg, Nord- und Süddeutschland aber auch aus Ostbelgien zu uns, um gemeinsam mit uns und den Tieren kurzweilige Stunden zu erleben. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang sicherlich die Tatsache, dass wir bislang auf groß angelegte Werbemaßnahmen verzichtet haben, so dass der Kundenstrom ausschließlich auf Mundpropaganda und unsere gezielten Informationen auf unserer Homepage zurückzuführen ist. Auch wurde das Fernsehen, namentlich die WDR-Sendung Planet Wissen, auf uns aufmerksam und *widmete uns und unseren Eseln eine Sondersendung, die Ende Oktober vergangenen Jahres erstmals ausgestrahlt und in den vergangenen Monaten bereits mehrmals auf anderen dritten Programmen wiederholt wurde. Besonders durch diese Sendung konnte das Image des Esels aufgewertet werden, so dass viele Menschen nun neugierig geworden sind. Auch RTL und VOX zeigten unser Konzept, doch waren wir mit der Aufmachung und dem eher reißerischen Ausschlachten dieses, unseres Themas nicht ganz einverstanden.

 

Weshalb gerade Esel? Wären Ponys oder Pferde nicht geeigneter?

Judith Schmidt: Der Esel ist ein sehr neugieriges und überaus intelligentes Tier. Es entscheidet stets für sich selbst und nicht wie beim Pferd der Fall der Mensch. Daher ist dieses Tier auch äußerst vorsichtig und zurückhaltend. Der Mensch deutet diese Vorsicht und Zurückhaltung sofort als Sturheit und Dickköpfigkeit, zwei Attribute, die dem Esel eigentlich gar nicht zueigen sind. Das Tier möchte uns nicht ärgern, denn mit dem abrupten Stehenbleiben signalisiert es uns Menschen lediglich, dass ein Problem vorliegt. Das kann ein hervorstehender Gullydeckel oder aber auch das Rauschen einer Kanalisation oder eines Bächleins sein. Man muss dem Esel nur Zeit geben, damit es die Umwelt erkunden, die Gefahren für sich selbst einschätzen und ein Vertrauensverhältnis zu den Eseltreibern aufbauen kann.

 

Also kann dem Esel vieles antrainiert werden?

Judith Schmidt: Nur ein gezieltes Training macht den Esel selbstsicher. Bei einem aus Sicht des Esels unsicheren Bachlauf kann es heute beispielsweise vier Stunden ungewollten Aufenthalt geben. Schenkt man dem Esel jedoch die notwendige Zeit und die Geduld, kann sich diese Zeit bereits Morgen auf 30 Minuten verkürzen. Dadurch erzieht der Esel uns Menschen in dieser hektischen Zeit zur Geduld. Im modernen Sprachgebrauch spricht man auch von der so genannten »Entschleunigung«.

 

Verstehen Sie sich denn als eine Art »Eselflüsterin«?

Judith Schmidt: Diese Einstellung wäre natürlich sehr falsch, da man einen Esel nicht beherrschen kann. Ein altes Sprichwort sagt treffend, dass man einem Pferd befiehlt, einen Esel bittet und mit einem Maultier verhandelt. Das skizziert die Charaktereigenschaften dieser Tiere perfekt. Zunächst also muss ich eine Vertrauensbasis aufbauen. Danach macht das Tier nur das, was es selbst möchte und für unbedrohlich empfindet.

 

Woher kommen Ihre Esel?

Judith Schmidt: Ich habe die Eselstute seinerzeit in Deutschland gekauft und sie decken lassen. Aus diesem Projekt entwuchs ein strammer »Eselsohn«. Nachdem uns diese beiden Grautiere so viel Freude bereiteten, vergrößerten wir unseren Tierbestand mit Katzen, Hunden und Ziegen stetig, wobei die Tierheime uns die Tiere zur Verfügung stellen. Derzeit leben bei uns ca. 20 Tiere auf dem Bauernhof.

 

Welche Tiere nehmen Sie denn mit auf die Wanderung?

Judith Schmidt: Wir wandern mit zwei Eseln, vier Ziegen und einem Hund und haben dabei eine Menge Spaß. Die Wanderungen finden das ganze Jahr über statt, wobei nur bei zu nassen äußeren Bedingungen nicht gewandert wird. Das würde den Tieren auch nicht gut tun und Spaß machen. Die Teilnehmer können sich selbst ein Picknick für unterwegs mitbringen oder aber bei uns einen Imbiss in Form einer deftigen Gemüsesuppe vorbestellen.

 

Richtet sich Ihr Angebot auch an Gruppen und Schulklassen?

Judith Schmidt: Auf jeden Fall. Neben Familien empfangen wir immer wieder Gruppen und Schulklassen. Hier ist das reine Wandern jedoch nicht ausreichend, so dass wir zusätzliche Aktivitäten wie eine Schatzsuche, eine Schnitzeljagd oder sonstige Aufgaben, die auf die mitwandernden Tiere abgestimmt sind, anbieten. Volksschulklassen und vor allem Behindertenheime nehmen dieses Angebot immer gerne an. Allerdings ist die Teilnehmerzahl auf 15 Personen begrenzt. Alles was diese Zahl übersteigt erfordert zusätzliche Begleitpersonen.

 

Hat die Eselwanderung für diese Behinderten auch therapeutischen Nutzen?

Judith Schmidt: Ich denke schon, denn die behinderten Mitmenschen gehen völlig anders auf die Tiere ein. Der Esel ist für diese Arbeit geradezu prädestiniert, da er nie in Panik gerät und auch für Allergiker überhaupt kein Problem darstellt. Unfälle wie sie bei der Arbeit mit Pferden öfters zu beklagen sind, sind mit Eseln die absolute Ausnahme. Die Kleinen empfinden auch sofort eine intensive Zuneigung zum Esel, da er kleiner ist als das Pferd, kuscheligeres Fell und einen Vertrauen weckenden Charakter besitzt. Kinder verlieben sich auf Anhieb in den Esel. So kommt es auch nicht selten vor, dass die teilnehmenden Kinder nach der Wanderung bei uns einziehen oder aber die Tiere mit nach Hause mitnehmen möchten. Hier kam es schon zu Herz zerreißenden Szenen.

 

Wie fangen Sie denn den Trennungsschmerz auf?

Judith Schmidt: Seit einigen Wochen haben wir auch unseren eigenen kleinen Souvenirladen, so dass bereits ein kleines Eselstofftier für Abhilfe bei der Trennung sorgt. Es sind die Gäste die uns mit Ideen berieseln, die wir dann unsererseits versuchen zu realisieren. Der Souvenirladen ist aus einem solchen Kundenwunsch entstanden. Ich bin für alle Wünsche und Anfragen offen.

 

Im Nachbardorf Thommen gibt es ja einen weiteren Eselfreund. Tauschen Sie sich mit Marcel Mayeres aus?

Judith Schmidt: Eselhalter finden sehr schnell zueinander. Das war auch mit Marcel Mayeres der Fall, mit dem wir seit einigen Jahren eng kooperieren. So haben wir seinerzeit das Krippenspiel auf dem Weihnachtsmarkt in St.Vith gemeinsam inszeniert und machen auch weiterhin Teil der »lebendigen Krippe« aus. Bei größeren Wanderungen und Gruppen hilft uns Marcel auf des Öfteren mit seiner Gulaschkanone aus.

 

Wo findet der interessierte Tierfreund weitere Infos zu Ihren Eselwanderungen und wo kann man sich anmelden?

Judith Schmidt: Auf unserer Internetpräsenz www.eselwanderung.jimdo.com findet der Eselfreund alles was das Herz begehrt. Auch sind hier interessante Infos über Esel einsehbar.

 

Sind die Wanderungen auf die Grüfflinger Hardt begrenzt?

Judith Schmidt: Auf keinen Fall. Wir sind im Grunde genommen flexibel und können unsere Wanderungen überall dort anbieten wo ein Weg ausgeschildert ist.

 

Ein weiteres Standbein oder vielmehr Angebot ist die »Eselakrobatik«. Was kann man als Laie darunter verstehen?

Judith Schmidt: Ich kam während des Winters auf die Idee, etwas mit meinen Eseln zu unternehmen, damit sie sich nicht so langweilten. So habe ich damit begonnen, den Tieren kleine Tricks beizubringen. Die Tiere haben großen Spaß daran und arbeiten geduldig und vor allem konzentriert mit. Aus diesem anfänglichen Spaß habe wurde nun ein kleines Programm, das wir jährlich ca. zehn Mal in den Beneluxländern aufführen. So ernteten wir zuletzt bei dem »DOG-Event« in Düsseldorf großen Beifall, wenngleich es sich hierbei um eine reine Hundeausstellung handelte. Viele waren einfach verblüfft und hätten dem Esel eine solche zirzensische Leistung nicht zugetraut.

 

Sie fungieren auch als Eselberaterin?

Judith Schmidt: Ja, seit einem Jahr gehen die Anfragen schier in alle Richtungen. Pferdeflüsterer gibt es eigentlich sehr viele, aber im Bereich der Esel ist das eher nicht der Fall. So kommt es schon mal vor, dass verzweifelte Halter um Rat bitten und mitunter mit ihren Eseln für eine Woche nach Grüfflingen kommen, um gemeinsam mit mir und meinen Tieren zu trainieren. Die Psychiatrie in Münster arbeitet beispielsweise in ihrer Therapie mit Eseln, hat aber Schwierigkeiten mit dem Unterhalt der Tiere. Dort organisiere ich dann Workshops und gebe meine autodidaktisch erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen weiter.

 

Kann man denn von der Eselhaltung leben?

Judith Schmidt: Weiß Gott nicht! Wir leben vom Beruf meines Mannes, der LKW-Fahrer ist. Die Wanderungen und alles andere dient nur als Zubrot, um unsere Tiere teil zu finanzieren. Wir können uns noch nicht einmal einen Traktor leisten. Aber uns geht es nur zweitrangig um die Wirtschaftlichkeit. Ich entscheide stets für mich selber und bin darauf bedacht, dass die Tiere nicht verheizt werden. Sie sind nämlich unser Lebensinhalt. Züchten möchte ich nicht, schlachten kommt ebenfalls nicht in Frage, da wir Vegetarier sind, so dass die Wanderungen mit Besuchern als einzige Alternative übrig bleibt.

 

 

*Das stimmt so nicht! Die Sendung lud vielmehr mich als Eselfreundin samt unserer zwei Esel als Gast ein.

Kurier Journal

Känguru

Stadtmagazin für Familien in KölnBonn

Juli/August 2009

www.kaenguru-online.de